Herzrhythmusstörungen – wenn der Puls zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig ist

10. Februar 2022

Was steckt hinter Herzrhythmusstörungen?

Bei Herzrhythmusstörungen gerät unser Herz durch verschiedene Faktoren aus dem Takt. Dann schlägt es entweder zu langsam, zu schnell oder in einem unregelmäßigen Rhythmus. Doch von vorne: Was ist eigentlich der Puls?

Für den richtigen Takt sorgt das Reiz-Leitungs-System. Hier werden elektrische Impulse erzeugt und weitergeleitet. Der Sinusknoten im rechten Vorhof sendet einen Impuls, der sich wiederum auf beide Vorhöfe ausbreitet. Dieser Impuls wird über den AV-Knoten auf das His-Bündel, welches sich in beide Kammerschenkel aufteilt, übertragen. Das führt dazu, dass sich der gesamte Herzmuskel zusammenzieht. Durch diese Aktion des Herzens werden Druckwellen in den Gefäßen ausgelöst. Als Puls werden dann die Pulswellen definiert, die sich aus den wiederkehrenden Kontraktionen der Gefäßwände ergeben. In der Regel werden diese Impulse in regelmäßigen Abständen abgegeben. Um in gewissen Belastungssituationen den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen, können die elektrischen Reize schneller abgegeben werden und die Anzahl der Herzschläge erhöht sich.

Die Basismessung Ihres Pulses sollte stets im Ruhezustand erfolgen. In der Praxis wird dieser oft mittels Pulsoximeter bestimmt. Jedoch können Sie auch selbst – ohne ein medizinisches Gerät – die Kontrolle Ihres Herzschlages übernehmen. Legen Sie dafür Zeige- und Mittelfinger auf die Speichenarterie an der Innenseite Ihres Handgelenks. Diese liegt unterhalb Ihres Daumens. Halten Sie eine Uhr bereit und zählen Sie für 30 Sekunden die Schläge der Arterie. Nehmen Sie diesen Wert mal zwei, so erhalten Sie den Puls pro Minute.

 

Welcher Puls ist normal?

Von einem normalen Puls ist im Erwachsenenalter dann die Rede, wenn er zwischen 50 und 90 Schlägen pro Minute liegt. Jedoch kann dieser Wert nach Tageszeit und Tagesform schwanken. So hängt der Wert ebenfalls von der körperlichen Verfassung und der sportlichen Aktivitäten ab. Sportler haben in der Regel einen niedrigeren Puls, da das Herz durch die kontinuierliche körperliche Belastung trainiert ist, mehr Blut auf einmal durch den Körper zu pumpen als ein untrainiertes Herz. Bestimmte Situationen wie Nervosität oder Schrecken beschleunigen unseren Puls, wohingegen er sich im Schlaf verlangsamt. Diese Funktionen werden über das autonome Nervensystem gesteuert und sind essenziell für ein funktionierendes Herz-Kreislauf-System.

Bei Säuglingen, Kleinkindern und Senioren weicht der Ruhepuls allerdings von den oben beschriebenen Normwerten ab:

    • Neugeborene: 120 bis 140 Schläge pro Minute
    • Kleinkinder: 100 bis 120 Schläge pro Minute
    • Bei älteren Kindern und Jugendlichen: 80 bis 100 Schläge pro Minute
    • Senioren: 60 bis 90 Schläge pro Minute

Werden Abweichungen in der Anzahl der Schläge oder der Regelmäßigkeit von den Patienten wahrgenommen, kann eine sogenannte Herzrhythmusstörung vorliegen.

 

Was sind Herzrhythmusstörungen?

Wie bereits zu Beginn beschrieben, gerät unser Herz bei Herzrhythmusstörungen aus dem Takt, er weicht also von dem normalen Rhythmus ab. Dabei treten Störungen in der Bildung und der Weiterleitung der elektrischen Impulse auf. In der Medizin unterscheiden wir drei Arten von Anomalien in unserem Rhythmus. Welche Herzrhythmusstörungen gibt es also?

Tachykardie = zu schneller Herzschlag

Die Tachykardie ist ein anhaltender Zustand, in dem das Herz mehr als 100 Schläge pro Minute abgibt. Dabei wird die Tachykardie von den Patienten oft als Herzrasen bezeichnet. In diesem Fall pumpt das Herz so stark, dass Betroffene ein Pulsieren in der Brustgegend wahrnehmen können. Die Entstehung eines zu schnellen Herzrhythmus entscheidet, welche Art von Tachykardie vorliegt. Hierbei wird zwischen einer supraventrikulären (außerhalb der Herzkammern) und einer ventrikulären (in den Herzkammern) Tachykardie unterschieden.

Für bestimmte Situationen ist die Tachykardie harmlos, schlägt das Herz allerdings dauerhaft mehr als 100 Schläge pro Minute oder kommen in dieser Situation weitere Symptome hinzu, so sollte unbedingt ein Kardiologe oder Notarzt hinzugezogen werden. Im schlimmsten Falle kann Herzrasen auch zum plötzlichen Herztod führen.

Bradykardie = zu langsamer Herzschlag

Bei bradykarden Herzrhythmusstörungen liegt ein verlangsamter Herzschlag vor. In diesem Fall fällt die Herzfrequenz auf unter 60 Schläge pro Minute ab. Dabei wird zum Beispiel von einem AV-Block gesprochen. Die Impulse zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern werden dann verzögert weitergegeben. Bei Sportlern, die durch regelmäßiges Training einen niedrigen Puls erhalten, wird allerdings nicht von einer krankhaften Bradykardie gesprochen.

Arrhythmie = unregelmäßiger Herzschlag

Von einer Arrhythmie ist dann die Rede, wenn ein unregelmäßiger Herzschlag außerhalb des Grundrhythmus vorliegt. Dabei haben Betroffene oft das Gefühl, ihr Herz würde kurz aussetzen oder stolpern. Dieses Herzstolpern wird häufig durch Extraschläge des Herzens ausgelöst, die in der Medizin auch als Extrasystolen bezeichnet werden. Doch wie gefährlich ist es, wenn das Herz Unregelmäßigkeiten aufzeigt? Im Normalfall ist das Beschwerdebild der Extrasystolen harmlos. Diese können auch bei gesunden und jungen Menschen auftreten. Kommen diese jedoch gehäuft vor oder liegt eine absolute Arrhythmie vor, sollte das Herz durch den Kardiologen untersucht werden.

 

Welche Symptome können grundlegend bei Herzrhythmusstörungen auftreten?

Oftmals werden die Symptome einer Herzrhythmusstörung zu Beginn nicht wahrgenommen oder nicht eindeutig zugeordnet. Doch wenn das Herz zu schnell schlägt und die Herzkammern nicht mit ausreichend Blut gefüllt werden oder es im Gegenteil dazu, zu langsam schlägt, so werden der Körper und das Gehirn nicht mit dem benötigten Sauerstoff versorgt. Daraufhin können Anzeichen wie Müdigkeit und Erschöpfung oder Nervosität und Unruhegefühl auftreten. Außerdem können im weiteren Verlauf Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel, Benommen- oder Verwirrtheit auftreten bis hin zu Kurzatmigkeit, kurzzeitigem Bewusstseinsverlust und Schmerzen in der Herzregion sowie Brustenge.

 

Wie gefährlich sind Herzrhythmusstörungen?

Wie bereits beschrieben, sind kurz anhaltende Anomalien im Rhythmus unseres Herzens meist nicht von großer Bedeutung. Wichtig ist es, den Puls situationsabhängig zu beurteilen. Das heißt, es sollte stets der Ruhepuls gemessen werden, nachdem der Körper für zwei bis drei Minuten vollständig Ruhen konnte und keiner akuten Erschöpfung, Unruhe oder Aufregung ausgesetzt ist, die sich auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen lässt.

Wie gefährlich die Störungen Ihres Herzrhythmus tatsächlich sind, lässt sich nur individuell und im Zusammenhang mit den entsprechenden Begleitsymptomen bestimmen. Generell können Herzrhythmusstörungen eine Herzschwäche oder einen Schlaganfall hervorrufen, oder die Herzrhythmusstörungen selbst können Folgen eines (stillen) Herzinfarkts sein.

Besonders schwere Herzrhythmusstörungen können im Extremfall leider auch lebensbedrohliche Auswirkungen haben. In diesem Fall ist der Puls so schnell oder so langsam, dass nicht ausreichend Blut durch den Körper gepumpt wird, da die einzelnen Herzschläge zu schwach ausfallen.

 

Welche Ursachen gibt es für eine Herzrhythmusstörung?

Oftmals ist eine bestehende Erkrankung am Herzen die Ursache für eine Herzrhythmusstörung. Dabei wird das Erregungsleitungssystem gestört, beispielsweise durch verminderte Durchblutung, zusätzliche Leitungsbahnen oder Fehlfunktionen des Sinusknotens. Die häufigsten herzbedingten Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind:

    • Koronare Herzkrankheit (KHK)
    • Herzklappenfehler
    • pathologisch erhöhter Blutdruck
    • sonstige Fehlbildungen am Herzen
    • Herzinfarkt
    • Herzinsuffizienz
    • Herzmuskelentzündung
    • Verschiedene Kardiomyopathien

Allerdings können auch andere Ursachen Herzrasen oder unregelmäßige Herzschläge auslösen:

    • Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose)
    • Hormonschwankungen
    • hoher Blutverlust / Anämie
    • Lungenembolie
    • Vergiftungen
    • Medikamente
    • Drogen
    • Nikotin und Koffein

 

Wie werden Herzrhythmusstörungen erkannt?

Um eine Störung des Herzrhythmus zu erkennen, werden zunächst mögliche Vorerkrankungen und Begleitbeschwerden abgefragt. Auch die aktuelle Einnahme der Medikamente spielt dabei eine wichtige Rolle. Anschließend erfolgt im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung das Abhören der Herztöne, die Messung des Blutdrucks und des Ruhepuls. Außerdem wird ein EKG angefertigt, um die Herzaktivitäten genauer untersuchen zu können. Hierbei können die Aktivitäten in Ruhe und während der Belastung auf einem Ergometer erfasst werden. Auch die Untersuchung mittels Langzeit-EKG ist sinnvoll, da über diese Diagnostik Unregelmäßigkeiten festgehalten werden können, die nur sporadisch oder in bestimmten Alltagssituationen auftreten.

Zudem gehört zur Abklärung mindestens eine Echokardiographie, also ein Ultraschall des Herzens, um anatomische und funktionelle Ursachen von Herzrhythmusstörungen zu erkennen.

 

Wenn die Diagnose steht – Wie können Herzrhythmusstörungen behandelt werden?

Je nach Ausmaß können verschiedene Therapien eingesetzt werden. Die häufigste Behandlungsmethode, mit der zu Beginn versucht wird, den Puls zu senken, ist die medikamentöse Therapie. Bestimmte Medikamente – sogenannte Antiarrhythmika – dämmen die Beschwerden ein oder unterdrücken diese sogar gänzlich. Eine Einnahme kann in diesem Fall langfristig nötig sein oder nur dann, wenn die Beschwerden akut auftreten. Folgende Arzneigruppen werden eingesetzt:

    • Beta-Blocker, die den Puls kontrollieren und senken
    • Natriumkanalblocker unter bestimmten Voraussetzungen bei Vorhofflimmern oder supraventrikularer Tachykardie
    • Kaliumkanalblocker bei Vorhofflimmern
    • Calciumkanalblocker
    • Digitalis
    • Parasympatholytika bei zu langsamem Herzschlag (Bradykardie) im Rahmen einer intensivmedizinischen Therapie
    • Sympathomimetika ebenfalls bei zu langsamem Herzschlag

Wenn die medikamentöse Therapie allerdings nicht ausreicht oder die Form der Rhythmusstörung sich nicht mit Medikamenten therapieren lässt, dann können auch bestimmte Eingriffe am Herzen vonnöten sein. Zum Beispiel werden durch das Einsetzen eines Herzschrittmachers regelmäßige elektrische Impulse ausgesendet und gibt dem Herzen den nötigen Rhythmus vor. Bei akut auftretenden Herzrhythmusstörungen wie z.B. Vorhofflimmern kann eine Elektrokardioversion durchgeführt werden. Eine weitere Methode zur Behebung der Beschwerden ist eine Verödung oder auch Ablation genannt. Dabei wird meist über die Leistenvene ein sehr dünner Schlauch zum Herzen hin geführt, um die Schwachstelle am Herzen zu identifizieren und anschließend zu veröden. In den meisten Fällen kann die Herzrhythmusstörung mit der Verödung dauerhaft geheilt werden. Schlägt das Herz so viel zu schnell, dass Lebensgefahr besteht, kann der richtige Rhythmus mit Hilfe eines implantierbaren Defibrillators (ICD) wiederhergestellt werden. Auch externe Defibrillatoren können in Notfallsituationen, wie zum Beispiel Kammerflimmern oder Herzstillstand, zum Einsatz kommen. Auch damit können manuell Stromstöße an das Herz abgegeben werden. Diese Geräte sind meist automatisiert und befinden sich in vielen Firmen, öffentlichen Plätzen oder größeren Gebäuden. Die Funktionsweise der Geräte wird klar und einfach beschrieben, sodass Laien problemlos damit umgehen können.

Außerdem können Sie selbst dazu beitragen und Herzrhythmusstörungen vorbeugen

Achten Sie in Ihrem Alltag auf eine gesunde Lebensweise und eine ausgewogene Ernährung, denn eine ungesunde Lebensweise wirken sich schlecht auf den Blutdruck, Blutzucker und Puls aus. Entscheiden Sie sich für frische und gesunde Lebensmittel und greifen Sie öfter zu Vollkorn- statt zu Weizenprodukten. Wenn Sie mehr über eine herzgesunde Ernährung wissen möchten, lesen Sie den Blogbeitrag.

Natürlich ist auch eine regelmäßige körperliche Betätigung von großer Bedeutung für das Wohlergehen unseres Herzens. Mit kontinuierlichem Ausdauertraining, wie Laufen, Fahrradfahren oder Schwimmen, können Sie Ihren Ruhepuls dauerhaft senken. Starten Sie als Anfänger langsam und steigern Sie sich nach und nach. Sie werden sehen, dass sich das Ergebnis langfristig sehen lässt.

Außerdem können Entspannungsübungen dazu beitragen, dass sich Ihr Herz aktiv erholt. Sie lernen zudem besser auf Ihr Herz und Ihren Körper zu hören. Auch hier wird mit andauernden Übungen der Puls langfristig gesenkt.

 

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