Schlafstörungen können nicht nur kurzfristig für Probleme wie Erschöpfung oder Kopfschmerzen sorgen. Langfristig begünstigen sie auch das Entstehen von ernsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Schlaf unter 7 Stunden schädigt Atmung, Herz und Kreislauf

Gemäß den Ergebnissen einer britischen Beobachtungsstudie, über eine Laufzeit von 10 Jahren, weisen Menschen mit Einschlafproblemen oder zu frühem Erwachen ein relevant erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. Als Referenzwert für optimale Schlafdauer nahmen die Forscher sieben Stunden. Menschen unter 65 Jahren, die jede Nacht fünf Stunden oder weniger schliefen, hatten im Studienzeitraum ein erhöhtes Sterberisiko. Schon zwei Nächte mit zu wenig Schlaf, egal ob durchgearbeitet oder durchgefeiert, beeinträchtigen den Gesundheitszustand. Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigt, die Elastizität der Gefäße lässt nach, sodass die blutdruckausgleichende Funktion der Blutgefäße beeinträchtigt wird. Die Atmung entwickelt Anzeichen für eine sogenannte „Schlafapnoe“, also Atemaussetzer in der Nacht. Hierdurch wird wiederum die Entstehung einer Herzschwäche begünstigt.

Fünf Stunden Schlaf sind wohl zu wenig: Wer im mittleren Lebens-alter am Schlaf spart bezahlt dies später womöglich mit Herzinfarkt und Schlaganfall. Denn eine weitere Studie zeigt: Männer mittleren Alters, die pro Nacht nur fünf Stunden oder weniger schlafen, haben ein doppelt so hohes Risiko, in den folgenden 20 Jahren ein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis zu erleiden. Wer dagegen sieben bis acht Stunden schläft erkrankt deutlich seltener. Die Studie ergab auch, dass die Kurzschläfer zudem häufiger unter hohem Blutdruck, Diabetes und starkem Übergewicht litten.

Wenig Schlaf, schwaches Herz

Eine norwegische Studie mit 54.000 Teilnehmern zeigte einen Zusammenhang zwischen wenig Schlaf und schwachem Herz: Wer jede Nacht Ein- und Durchschlafprobleme hatte und wenigstens einmal pro Woche über einen nicht erholsamen Schlaf berichtete, entwickelte nach einer Beobachtungszeit von elf Jahren drei- bis viermal häufiger eine Herzschwäche, unabhängig von anderen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie z.B. Rauchen. Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass eine verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen die Funktion des Herzens, insbesondere dessen Pumpleistung, beeinträchtigen. Schlafmangel ist also ein bedeutender, jedoch oft unterschätzter Stressfaktor, der viele Menschen betrifft. Er schadet der Herzgesundheit und erhöht auch den Blutdruck. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Schlafdauer bei 12 Prozent der Bevölkerung nur fünf Stunden oder weniger. Ein Drittel aller Erwachsenen leidet regelmäßig unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen.

Fehlende Blutdruckabsenkung in der Nacht

Ein häufiges Problem bei Schlafstörungen ist eine fehlende Blutdruckabsenkung in der Nacht, das sogenannte Non-Dipping. Ein vermindertes oder fehlendes nächtliches Dipping geht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie einer koronaren Herzerkrankung, einher, denn wenig oder schlechter Schlaf versetzt das sympathische Nervensystem in Alarmbereitschaft, wodurch die Ausschüttung von Stresshormonen und Entzündungsmediatoren steigt. Dies führt zur Störung des Blutzuckerstoffwechsels und begünstigt eine beschleunigte Gefäßverkalkung.

Schlafprobleme sollten untersucht werden

Wie sich Schlafstörungen oder Schlafmangel auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken sollte beim Kardiologen untersucht werden. Hier werden beispielsweise Herz und Gefäße untersucht, das Blutdruckverhalten mittels Langzeitblutdruckmessung und Belastungsuntersuchung beurteilt sowie spezielle Laboruntersuchungen durchgeführt. Auch das Vorliegen eines Schlafapnoesyndroms kann mittels Screening und gegebenenfalls durch eine Folgeuntersuchung im Schlaflabor untersucht werden.

Sport und Bewegung verbessern Schlafqualität

Neben einer ärztlich-kardiologischen Untersuchung sollten auch einfache Tipps für einen besseren Schlaf berücksichtigt werden: insbesondere Sport und regelmäßige Bewegung ist empfehlenswert. Daneben ist eine verbesserte „Schlafhygiene“ ratsam – Halten Sie regelmäßige Schlafzeiten ein und beseitigen Sie konsequent störende Faktoren aus der Schlafumgebung. Tragen Sie keine beengende Schlafkleidung und überprüfen Sie die Qualität der Matratze. Achten Sie darüber hinaus auf eine angenehme Luft und Raumtemperatur im Schlafzimmer. Auch helfen Schlafrituale oder Entspannungsübungen beim Einschlafen.

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