Herzschrittmacher – Wenn der Takt vorgegeben wird

30. August 2022

Körpereigene Impulsgeber wie der Sinusknoten lösen bei einem gesunden Herz-Kreislauf-System eine regelmäßige Kontraktion des Herzmuskels aus. Entsteht jedoch eine anhaltende Störung in diesem Reizleitungssystem, gerät das Herz aus seinem Takt und nimmt einen unregelmäßigen, zu schnellen oder zu langsamen Rhythmus an. Schlägt das Herz zu langsam, kann ein Schrittmacher für das Herz die Kontrolle und den Ausgleich übernehmen. Was das ist und wann dieser nötig wird, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Was ist ein Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmacher (HSM) ist ein kleines Gerät, welches zur Behandlung eines aus dem Takt geratenen Herzschlages eingesetzt wird. Dazu muss der Schrittmacher im Brustbereich implantiert werden. Häufig liegt er dann unter dem Schlüsselbein in der linken oder rechten Brustseite. Das Gerät wird mit einer Lithium-Ionen-Batterie betrieben und gilt als sehr langlebig. Dank elektrischer Impulse kann der Herzschrittmacher bei einer Herzkrankheit mit zu niedriger Herzfrequenz ganz schnell eingreifen und den Herzschlag regulieren.

 

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Bevor der Herzschrittmacher elektrische Impulse zur Regulierung der Herzfrequenz senden kann, muss dieser den Herzschlag jedoch erst einmal erkennen und kontinuierlich kontrollieren. Über dünne Elektroden, die den Herzschrittmacher mit dem Herzen verbinden, misst das Gerät kontinuierlich die elektrischen Impulse, die von dem Herzen ausgehen. Die Elektroden leiten das Signal weiter zum Impulsgenerator. Nimmt das Gerät einen verlangsamten Rhythmus wahr, wird die Energie des Herzschrittmachers selbstständig mithilfe von elektrischen Impulsen zurück an das Herz geleitet. Diese Signale bewirken dann wiederum einen schnelleren Herzschlag, sodass sich der Rhythmus schnell koordinieren und der ursprüngliche Takt wiederherstellen lässt.

Das Schrittmacher-Aggregat übernimmt neben der Unterstützung des Herzens aber auch eine aufzeichnende Funktion. So können wir in unserer kardiologischen Praxis ganz einfach wichtige Informationen über die Herzfunktion anhand eines kleinen Computers auslesen. Dank dieser Informationen können wir gegebenenfalls Einstellungen schnell und unkompliziert anpassen, ohne das implantierte Gerät entnehmen zu müssen.

 

Welche Arten von Herzschrittmachern gibt es?

Der Unterschied bei den gängigsten Arten von Herzschrittmachern liegt in der Technik und den Anwendungsgebieten.

Einkammer-Schrittmacher

Bei einem Einkammer-Schrittmacher befinden sich die Elektroden entweder im rechten Vorhof oder in der rechten Herzkammer, um von dort die Aktivitäten des Sinusknotens zu registrieren und gegebenenfalls dessen Funktion zu unterstützen oder bei einem Aussetzen des Herzschlages gar zu übernehmen.

Zweikammer-Schrittmacher

Die Besonderheit bei einem Zweikammer-Schrittmacher liegt darin, dass zwei Elektrodensonden bestehen, die sich in den rechten Vorhof und in die rechte Kammer aufteilen. Diese Art von Technik ermöglicht es dem Gerät, sowohl den Vorhof als auch die Kammer zu überwachen und gibt, wenn nötig, elektrische Impulse zur Kontraktion des Herzens ab.

 

Wann wird eine Herzschrittmacher-Implantation nötig?

Wenn das interne Reizleitungssystem nicht mehr funktioniert und das Herz so langsam schlägt, dass eine ausreichende Versorgung der lebenswichtigen Organe nicht mehr vollständig gewährleistet werden kann, dann liegt eine sogenannte Bradykardie vor. In diesem Fall ist das Einsetzen eines Herzschrittmachers durchaus sinnvoll.

Außerdem können strukturelle Krankheiten zu einem veränderten Herzrhythmus oder einer Herzschwäche führen. Darunter zählen zum Beispiel Erkrankungen des AV- oder Sinusknotens.

Anhaltende und dauerhafte Symptome wie Schwindel, Leistungsabfall, Ohnmacht, Verwirrtheit, Brustschmerzen und Kurzatmigkeit sollten Sie unbedingt in unserer Praxis für Kardiologie untersuchen lassen, da diese auch als Signale für eine gefährliche Herzrhythmusstörung gelten können.

 

Wie wird ein Herzschrittmacher implantiert?

Die häufigsten Fragen zum Thema Herzschrittmacher erreichen mich in meinem Praxisalltag bezüglich der Operation und Implantation. Die meistgestellten Fragen werden im Folgenden geklärt:

Wird der Eingriff ambulant oder stationär durchgeführt?

Die Implantation des Herzschrittmachers sollte im Krankenhaus mit einer 24-stündigen Nachüberwachung erfolgen. Der Eingriff wird meist gut vertragen und Patienten können nach dem Überwachungszeitraum nach Hause oder in eine Reha-Einrichtung entlassen werden. Nach rund zwei Wochen besteht dann häufig wieder volle Einsatzfähigkeit für die Betroffenen.

Wie läuft die Herzschrittmacher-OP ab?

Die Implantation des Herzschrittmachers wird nicht unter Vollnarkose, sondern kann lediglich unter örtlicher Betäubung und einer leichten Narkose durchgeführt werden. Für den Zugang zur entsprechenden Stelle wird die Haut unterhalb des linken oder rechten Schlüsselbeins desinfiziert und lokal betäubt. Hat die Betäubung dann angeschlagen, wird ein ca. fünf Zentimeter langer Schnitt gesetzt. Über die große Schlüsselbeinvene werden die Elektroden bis zum entsprechenden Vorhof oder zu der Kammer vorgeschoben, bis diese das Herzmuskelgewebe erreichen. Durch eine entsprechende Röntgendiagnostik kann der Weg der Elektroden durch die Vene genau festgestellt und geführt werden. Erfolgt die passende Platzierung der Elektroden, können diese an den Impulsgenerator angeschlossen werden, welcher anschließend auf den jeweilen Patienten programmiert wird. Der Impulsgenerator verbleibt jedoch unterhalb des Schlüsselbeins in den präparierten „Taschen“ im Bereich der Brustmuskulatur. Ist der Taktgeber ordentlich platziert, mit der Batterie versehen und kann als funktionsfähig anerkannt werden, wird der entstandene Hautschnitt wieder vernäht und die Wunde entsprechend medizinisch versorgt.

Wie lange dauert die OP?

Wo früher die Operationen noch am offenen Herzen durchgeführt werden mussten, zählt die Implantation von Herzschrittmachern heutzutage schon zu einem Routineeingriff. Der Einsatz des Gerätes erfolgt minimalinvasiv und ist in der Regel nach einer Dauer von ca. 45 bis 60 Minuten abgeschlossen.

Wie lange hält eine Herzschrittmacher-Batterie und ist danach eine erneute OP nötig?

Heutzutage beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Lithium-Ionen-Batterie, die bei einem Herzschrittmacher eingesetzt wird, etwa 10 Jahre. Im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen werden der Batteriestand und die Funktionsfähigkeit überprüft. Sobald der Batteriestand im unteren Toleranzbereich angekommen ist, wird diese ausgewechselt. Dazu ist allerdings keine komplette Wiederholung des Eingriffs nötig, sondern lediglich die erneute Öffnung der Taschen, sodass auf den Schrittmacher-Aggregator zugegriffen werden kann.

 

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen eines Herzschrittmachers?

Im Normalfall wird die Implantation eines Herzschrittmachers von den Patienten gut vertragen, in seltenen Fällen kann es jedoch auch zu Nebenwirkungen kommen. Achten Sie nach einer Operation in jedem Fall darauf, dass die Wunde problemlos heilt. Halten Sie die Region dazu sauber und trocken. Treten Symptome wie Fieber, Rötung und Schwellung im Wundbereich, sowie Flüssigkeitsaustritt aus der Wunde auf, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen und die Beschwerden abklären lassen. Außerdem können Schwindelgefühl oder Brustschmerzen ein Zeichen für Komplikationen sein. Wenn Sie sich nach der Operation anhaltend müde und schwach fühlen, sollten Sie auch hier nicht zögern einen Arzt aufzusuchen

Zudem bestehen nach einer Herzschrittmacher-Implantation Risiken, die nach jeder Operation möglich sind. Hierzu zählen Blutungen, die Bildung eines Blutgerinnsels oder auch Nervenverletzungen.

Ist die Wunde abgeheilt, dann sollten Sie dennoch darauf achten, dass Sie in den ersten Wochen keine schweren Gegenstände tragen. Außerdem wird dazu geraten häufige Arm-über-Kopf-Bewegungen zu vermeiden, um das Risiko zu umgehen, dass sich diese Bewegungen auf das Elektrodensystem auswirken könnten.

 

Das Leben mit einem Herzschrittmacher – was gibt es zu beachten?

Durch die Implantation eines Herzschrittmachers wird die Lebensqualität enorm gesteigert. Betroffene können danach wieder normalen Alltagsaktivitäten nachgehen und reduzieren dadurch ihre bisherigen Einschränkungen im täglichen Leben.

Dennoch gibt es Dinge, die es nach einer Herzschrittmacher-Operation zu beachten gilt:

    • Tragen Sie Ihren Schrittmacher-Ausweis IMMER bei sich. Diesen bekommen Sie nach der Operation ausgestellt.
    • Wenn Sie in den Urlaub fliegen und am Flughafen an der Sicherheitskontrolle stehen, müssen Sie auch hier Ihren Ausweis vorzeigen. In diesem Fall wird dann eine manuelle Kontrolle durchgeführt, um den Metalldetektor nicht auszulösen.
    • Moderne Schrittmacher stehen grundsätzlich nicht in Wechselwirkung mit anderen elektrischen Geräten wie Küchengeräte, Computer oder Handys. Allerdings sollten Betroffene bei speziellen Arbeiten mit Industriemaschinen, die starke Magnetfelder besitzen, dies unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen.
    • Handys sollten nicht dauerhaft auf der Seite des Herzschrittmachers getragen werden.
    • Vor radiologischen Untersuchungen sollte stets die Durchführung mit Herzschrittmacher abgeklärt werden. Eine Kernspintomographie (MRT) kann nur bei entsprechend darauf ausgelegten Herzschrittmacher-Systemen durchgeführt werden.
    • Medikamente können trotz Herzschrittmacher weiterhin nötig sein. Welche Therapie für Sie als Patient in Frage kommt, wird jedoch individuell in der Sprechstunde entschieden.
    • Körperliche Belastung ist grundsätzlich gut für das Herz-Kreislauf-System, klären Sie jedoch starke Anstrengungen vorher innerhalb der Sprechstunde ab, sodass eine Überbelastung ausgeschlossen werden kann

 

Wie verläuft die Kontrolle nach einer Herzschrittmacher-Implantation?

Damit Veränderungen rechtzeitig erkannt werden können, ist es wichtig, regelmäßige Kontrollen in unserer Praxis durchzuführen. Dabei wird in einem Abstand von 6 Monaten der Batteriestand und die technische Funktionstüchtigkeit des Herzschrittmachers überprüft. Die erste Kontrolle nach Implantation erfolgt allerdings bereits nach 6 Wochen um ggf. die Programmierung nach „Einwachsen“ der Elektroden anzupassen. Ebenso werden die gespeicherten Aufzeichnungen mithilfe eines Analysegerätes ausgelesen und zwischenzeitliche Herzrhythmusstörungen können damit im Rahmen der Kontrolle identifiziert werden.

 

 

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