Herzklappen: Aufbau, Funktion und Bedeutung im Herz-Kreislauf-System
24. August 2026
Herzklappen sind zentrale Bestandteile des menschlichen Herz-Kreislauf-Systems. Sie sorgen dafür, dass das Blut bei jedem Herzschlag in eine feste Richtung fließt, und verhindern einen Rückstrom in die vorherige Kammer. In der Medizin werden sie als natürliche Ventile bezeichnet, ohne die ein effizienter Blutstrom durch den Körper nicht möglich wäre. In diesem Beitrag erklären wir, was man unter Herzklappen versteht, wie sie aufgebaut sind und welche Aufgabe jede einzelne Klappe im Herzen übernimmt.
Was sind Herzklappen und welche Aufgabe haben sie?
Als Herzklappen bezeichnet man dünne, bewegliche Strukturen im Herzen, die wie Ventile arbeiten. Sie öffnen und schließen sich im Takt des Herzschlags und steuern so den Blutstrom durch die vier Hohlräume des Herzens. Insgesamt verfügt der Mensch über vier Herzklappen, die in der Anatomie in zwei Gruppen unterteilt werden.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Blutfluss ausschließlich in eine Strömungsrichtung zu lenken und einen Rückfluss zuverlässig zu unterbinden. Zieht sich der Herzmuskel zusammen, schließen sich die entsprechenden Klappen, sodass kein Blut zurück in die oberen Herzräume gelangen kann. Bei der Auskultation, also dem Abhören des Herzens mit dem Stethoskop, lässt sich das Schließen der Klappen als charakteristischer Herzton wahrnehmen – ein wichtiges diagnostisches Signal in der kardiologischen Untersuchung. Allein anhand des Herztons können wir in der Medizin bereits erste Hinweise auf mögliche Auffälligkeiten der Klappen erhalten.
Aufbau der Herzklappen: Segel- und Taschenklappen
In der Anatomie des Herzens unterscheidet man zwei Klappentypen, die sich in Aufbau und Lage unterscheiden.
Segelklappen
Diese Klappen liegen jeweils zwischen dem rechten oder linken Vorhof und der dazugehörigen Kammer. Sie bestehen aus beweglichen Klappensegeln, die über feine Sehnenfäden mit der Herzinnenwand verbunden sind. Diese Verankerung sorgt dafür, dass sich die Segel bei der Kontraktion nicht nach außen stülpen. Zu dieser Gruppe zählen die Mitralklappe mit zwei Segeln und die Trikuspidalklappe mit drei Segeln.
Taschenklappen
Diese Klappen sitzen dagegen am Ausgang der beiden Herzkammern, dort, wo das Blut in Richtung der großen Blutgefäße gepumpt wird. Sie bestehen aus jeweils drei halbmondförmigen Taschen, die sich wie ein Ventil öffnen und schließen. Zu dieser Gruppe gehören die Aortenklappe und die Pulmonalklappe.
Die vier Herzklappen im Überblick
Mitralklappe – Funktion und Lage
Die Mitralklappe, auch Bikuspidalklappe genannt, liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Sie sorgt dafür, dass sauerstoffreiches Blut aus der Lunge ungehindert in die Kammer fließen kann, ohne bei der nächsten Kontraktion zurückzuströmen.
Trikuspidalklappe – Funktion und Lage
Sie befindet sich zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie reguliert den Übertritt des sauerstoffarmen Blutes aus dem Körperkreislauf in die rechte Kammer, von wo aus es weiter zur Lunge gepumpt wird.
Aortenklappe – Funktion und Lage
Die Aortenklappe sitzt am Übergang von der linken Herzkammer zur Aorta, der Hauptschlagader. Sie öffnet sich bei jeder Kontraktion, damit sauerstoffreiches Blut in den großen Kreislauf gelangt, und schließt sich anschließend dicht, um ein Zurückfließen zu unterbinden.
Pulmonalklappe – Funktion und Lage
Sie liegt zwischen der rechten Herzkammer und der Lungenarterie. Über sie wird das sauerstoffarme Blut zur Lunge gepumpt, wo es erneut mit Sauerstoff angereichert wird.
Systole und Diastole: Wie sich die Herzklappen im Takt öffnen und schließen
Das Zusammenspiel der vier Klappen folgt einem festen Rhythmus, der sich in zwei Phasen unterteilen lässt. In der Anspannungs- und Austreibungsphase ziehen sich die Herzkammern zusammen. Dabei schließen sich die Segelklappen, während sich die Taschenklappen öffnen, sodass Blut in die Aorta beziehungsweise die Lungenarterie gepumpt wird. In der darauffolgenden Erschlaffungsphase kehrt sich der Vorgang um: Die Taschenklappen schließen sich, die Segelklappen öffnen sich, und die Kammern füllen sich erneut mit Blut aus den Vorhöfen. Dieser exakt getaktete Mechanismus wiederholt sich bei jedem Herzschlag und bildet die Grundlage für einen gleichmäßigen und gesunden Blutstrom.
Die Rolle der Herzklappen im großen und kleinen Kreislauf
Herzklappen sind ein unverzichtbares Bindeglied zwischen den beiden Kreisläufen des Körpers. Im kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) sorgen die rechten Klappen dafür, dass sauerstoffarmes Blut vom rechten Herzen zur Lunge gelangt. Im großen Kreislauf (Körperkreislauf) übernehmen die linken Klappen die entsprechende Aufgabe für das sauerstoffreiche Blut, das vom linken Herzen in den gesamten Körper gepumpt wird.
Warum ist eine intakte Herzklappenfunktion für Patienten so wichtig?
Für Patienten ist eine intakte Klappenfunktion die Grundvoraussetzung für eine leistungsfähige Herzpumpe. Nur wenn alle vier Klappen zuverlässig öffnen und schließen, pumpt das Herz ausreichend Blut in den Kreislauf und versorgt den Körper zuverlässig mit Sauerstoff. Verschleiß, angeborene Fehlbildungen oder entzündliche Prozesse können die Beweglichkeit der Klappen einschränken und dadurch Erkrankungen verursachen, die sich oft erst nach Jahren bemerkbar machen. Deshalb empfehlen wir Patienten mit familiärer Vorbelastung oder ersten Symptomen eine regelmäßige kardiologische Kontrolle.
Auch im Praxisalltag zeigt sich immer wieder, wie unterschiedlich Patienten auf eine eingeschränkte Klappenfunktion reagieren. Während manche Betroffene über Jahre kaum Beschwerden verspüren, berichten andere schon früh von Leistungsabfall oder Kurzatmigkeit. Diese Unterschiede hängen unter anderem davon ab, wie stark die Klappe betroffen ist und wie gut das Herz die zusätzliche Belastung kompensieren kann. Eine regelmäßige Untersuchung der Herzklappen und der angrenzenden Blutgefäße hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich spürbar auf den Alltag auswirken.
Was passiert, wenn eine Herzklappe nicht richtig funktioniert?
Schließt eine Klappe nicht mehr vollständig, spricht man von einer Klappeninsuffizienz – die Klappe wird undicht und Blut fließt zurück statt nach vorne. Verengt sich dagegen eine Klappenöffnung, liegt eine Stenose vor, die den Blutstrom behindert und das Herz zusätzlich belastet. Beide Formen eines Herzklappenfehlers können unbehandelt zu einer Herzschwäche führen und erfordern eine kardiologische Abklärung. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie in unseren ausführlichen Beiträgen zur Mitralklappeninsuffizienz und zur Aortenklappenstenose.
Häufige Fragen zu Herzklappen (FAQ)
- Wozu dienen Herzklappen?
Herzklappen fungieren als Ventile, die den Blutfluss innerhalb des Herzens in eine feste Strömungsrichtung lenken und einen Rückstrom unterbinden. - Wie viele Herzklappen hat der Mensch?
Der Mensch besitzt vier Herzklappen: die Mitral- und Trikuspidalklappe sowie die Aorten- und Pulmonalklappe. - Was passiert bei einem Herzklappenfehler?
Betroffene Klappen schließen entweder nicht mehr richtig (Insuffizienz) oder sind verengt (Stenose). Beides kann den Blutstrom stören und langfristig zu einer Herzschwäche führen. - Wo sitzen die Herzklappen im Herzen?
Die Mitralklappe liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Kammer, die Trikuspidalklappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer. Die Aortenklappe sitzt am Übergang zur Aorta, die Pulmonalklappe am Übergang zur Lungenarterie.
Fazit
Herzklappen übernehmen als natürliche Ventile eine zentrale Aufgabe im Herz-Kreislauf-System: Sie lenken den Blutstrom präzise durch die vier Herzräume und unterbinden einen schädlichen Rückfluss. Ihr reibungsloses Zusammenspiel aus Systole und Diastole ist die Voraussetzung für eine leistungsfähige Herzfunktion – nur wenn alle vier Klappen zuverlässig arbeiten, kann das Herz seine Pumpleistung dauerhaft aufrechterhalten.
Da sich Veränderungen an den Herzklappen oft schleichend entwickeln, lohnt sich eine regelmäßige kardiologische Kontrolle, insbesondere mit zunehmendem Alter oder bei familiärer Vorbelastung. Patienten, die ungewöhnliche Herzgeräusche, Atemnot oder eine spürbar nachlassende Belastbarkeit bemerken, sollten diese Symptome zeitnah ärztlich abklären lassen. So lassen sich Erkrankungen der Herzklappen frühzeitig erkennen und die Herzgesundheit langfristig erhalten.
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