Diabetes mellitus und die Auswirkungen auf die Herzgesundheit

9. September 2022

Diabetes mellitus (lat.) bedeutet so viel wie „honigsüßer Durchfluss“ und ist eine der weltweit häufigsten Krankheiten. Neben den bekannten Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, kann die Erkrankung auch die Durchblutung des Herzens und der Blutgefäße schädigen. In diesem Blog erfahren Sie alles rund um das Thema Diabetes, die Ursachen und Behandlung sowie die Folgen für unser Herz, die Risikofaktoren und was Sie selbst dagegen tun können.

 

Diabetes mellitus – Was ist das?

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels, bei der der Körper nicht in der Lage ist, den Zucker aus dem Blutkreislauf aufzunehmen oder das körpereigene Insulin nicht ausreichend zu produzieren. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel immer weiter an und kann mit der Zeit verschiedene Gefäße und Organe schädigen und zu lebensgefährlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Glücklicherweise ist die chronische Erkrankung aber durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und ggf. Medikamente gut in den Griff zu bekommen.

In der Medizin werden verschiedene Formen des Diabetes mellitus unterschieden. Doch welche Typen gibt es überhaupt?

Diabetes mellitus Typ 1

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, die oftmals bereits im Kindes- oder Jugendalter auftritt. Anders als der Typ-2-Diabetes ist diese Erkrankungsform also bereits angeboren und kann in den häufigsten Fällen bereits Monate bis Jahre vor Ausbruch durch die Bestimmung bestimmter Antikörper im Blut nachgewiesen werden.

Im Rahmen der Erkrankung greift das Immunsystem die sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die üblicherweise das Hormon Insulin produzieren. Insulin ist für die Zuckerstoffwechselregulierung zuständig. Das körpereigene Insulin reicht nicht mehr aus oder wird im äußersten Fall sogar überhaupt nicht mehr ausgeschüttet, sodass dem Körper das lebenswichtige Insulin unbedingt von außen zugeführt werden muss. Es besteht zunehmend ein totaler Insulinmangel. Ohne die künstliche Insulinzufuhr über Spritzen oder Insulinpumpen kann es zu einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung kommen, welche auch schwerwiegende Folgen mit sich bringen kann.

Diabetes mellitus Typ 2

Die meisten Menschen mit Diabetes leiden jedoch an Typ-2-Diabetes, der sich langsamer entwickelt und daher oft erst spät diagnostiziert wird. Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse im Vergleich zum Typ 1 zwar noch Insulin, aber in diesem Fall oft nicht genug oder der Körper reagiert nicht richtig darauf – man spricht in diesem Fall von einer vorangegangenen Insulinresistenz. Daraufhin sammelt sich auch hier der Zucker in den Blutgefäßen an und ist der Auslöser für einen erhöhten Blutzuckerspiegel.

Bei Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankungen liegen oftmals auch Bluthochdruck und ein erhöhter Cholesterinspiegel vor. Unbehandelt kann diese Erkrankung deshalb Schäden am Herzen und an den Arterien verursachen. Diese Faktoren erhöhen dadurch auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich. Auch die Nieren können bei Diabetes Typ 2 stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gestationsdiabetes

Der Gestationsdiabetes, auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, kann wie es der Name bereits sagt während der Schwangerschaft auftreten. Die Schwangerschaftshormone können Einfluss auf den Stoffwechsel nehmen und somit den gelösten Zucker im Blut langsamer aufnehmen. Das Resultat: die Blutzuckerwerte steigen an. Werden die Werte während der Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum überschritten, so wird in der Medizin von einem Schwangerschaftsdiabetes gesprochen, der mittels Glukosetoleranztest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche festgestellt werden kann.

Liegt ein Gestationsdiabetes vor, normalisieren sich die Werte meist nach der Geburt wieder. Allerdings kann der Diabetes in selteneren Fällen auch nach der Schwangerschaft bestehen bleiben.

Für das Baby ist die Erkrankung jedoch meist ungefährlich, wenn die Werte durch Ernährung und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung im Normbereich gehalten werden.

Seltene Diabetes-Formen

Neben den genannten gängigen Formen des Diabetes mellitus gibt es auch etwas seltenere Formen, wie zum Beispiel den MODY Diabetes. Diese Formen entstehen jedoch meist durch  genetische Defekte der Beta-Zellen oder der Insulin-Wirksamkeit, wie auch als Folgeerkrankung bestimmter Schäden an der Bauchspeicheldrüse oder hormoneller Beschwerden.

 

Wie lässt sich Diabetes mellitus erkennen?

Diabetes mellitus entwickelt sich meist schleichend. Die Betroffenen merken oftmals gar nicht, dass sie an einer Stoffwechselerkrankung leiden, da die Symptome zunächst sehr unspezifisch sind. Typische Anzeichen für einen beginnenden Diabetes mellitus sind vermehrter Durst, häufiges Wasserlassen, anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Auch Juckreiz, trockene Haut und Schlafstörungen können unter anderem Anzeichen für eine Stoffwechselerkrankung sein. Im fortgeschrittenen Stadium können sich weitere Symptome entwickelt und sich Sehstörungen, Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust und eine schlechte Wundheilung bemerkbar machen.

Die Diagnose wird dann entweder gezielt aufgrund der genannten Symptome gestellt oder häufig auch nur durch Zufall im Rahmen einer Untersuchung oder Routinekontrolle erkannt. Zur Diagnosesicherung gibt es bestimmte Richtwerte. Dazu zählen beispielsweise der HbA1c-Wert, welcher den Durchschnittswert des Blutzuckers der letzten 8 – 12 Wochen anzeigt oder der reine Blutzuckerwert, welcher entweder früh morgens nüchtern, postprandial nach dem Essen oder im Rahmen eines oralen Glukosetoleranztests sowohl nüchtern als auch ein und zwei Stunden nach Verabreichung eines Glukosesaftes gemessen wird. Werden die Toleranzgrenzen überschritten, kann die Diagnose Diabetes mellitus durch den Arzt gesichert werden.

 

Ab wann spricht man von einem Diabetes mellitus?

International wurden bestimmte Richtwerte festgelegt, die für die Bestimmung eines Diabetes mellitus relevant sind. Gemessen werden die Blutzuckerwerte in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und der HbA1c-Wert wird in Prozent angegeben. Auf internationaler Ebene kann allerdings auch die Einheit in Millimol pro Mol HB (mmol/mol) für den HbA1c oder Millimol pro Liter (mmol/l) für den Blutzucker verwendet werden.

Zur optimalen Bewertung sollte der Blutzucker immer nüchtern gemessen werden. Liegt hier bei wiederholter Messung ein Nüchtern- Blutzuckerwert über 126 mg/dl vor, kann die Diagnose Diabetes gestellt werden.

Außerdem wird der bereits beschriebene HbA1c Wert bestimmt, der einen durchschnittlichen Eindruck der letzten drei Monate vermittelt. Bei der Messung ist es also unrelevant, ob der Patient nüchtern ist oder bereits Nahrung zu sich genommen hat. Die Diagnose kann bei einem HbA1c Wert über 6,5% manifestiert werden.

Von einer Unterzuckerung spricht man übrigens ab einem BZ von weniger als 60 mg/dl. Die Übergänge zwischen einem normalen Blutzucker und einem zu niedrigen Blutzucker sind allerdings eher fließend und werden auch nicht unbedingt direkt von den Betroffenen wahrgenommen.

 

Wie wird Diabetes behandelt?

Die Behandlung ist abhängig von dem jeweiligen Typ, der bei den Betroffenen diagnostiziert wurde. Während ein Typ-1-Diabetes ausschließlich mit Insulin behandelt werden kann, ist es möglich einen Typ-2 bereits mit der richtigen Ernährung und regelmäßiger Bewegung in den Griff zu bekommen.

Mit einer effektiven Behandlung können Folgeerkrankungen durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte wie Schäden an Blutgefäßen, inneren Organen oder Nerven verhindert werden. Dazu sollte der Blutzucker von den Betroffenen regelmäßig überwacht und bestenfalls in ein Blutzuckertagebuch übertragen werden, um den Verlauf zu dokumentieren und Schwankungen gegebenenfalls genauer zu identifizieren.

Reichen jedoch die regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung bei einem Typ-2-Diabetes nicht aus, um den Blutzucker zu regulieren, dann können auch zusätzliche Diabetesmedikamente eingesetzt werden.

Orale Antidiabetika

Die Diabetesmedikamente, die als Tablettenform verabreicht werden, sind vielfältig und unterscheiden sich in ihren Substanzklassen, sowie ihrem Wirkmechanismus. Zu Beginn wird versucht die Überzuckerung mit einem einzelnen Medikament in den Griff zu bekommen, diese Therapie wird als sogenannte Monotherapie bezeichnet und häufig wird das Medikament Metformin verordnet. Wird der Blutzucker damit dennoch nicht optimal eingestellt, kann eine Kombinationstherapie angesetzt werden, die ein Zusammenspiel aus verschiedener oraler Medikamente oder zusätzlicher subkutaner Injektion mit Insulin ist. Eine ausschließliche Behandlung mit Insulin wird bei einem Diabetes mellitus Typ 2 jedoch selten durchgeführt. Wohingegen eine orale Therapie mit Antidiabetika wiederum bei einem Typ-1-Diabetiker kaum angesetzt wird, da diese nicht ausreichend Wirkung erzielen. In diesem Fall können Insulinkombinationstherapien verordnet werden.

Insulintherapie

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das die Aufgabe hat, die Glukose, welche mit der Nahrung aufgenommen wird, aus dem Blut zu filtern und in die entsprechenden Körperzellen zu navigieren. Dort wiederum soll die Glukose der Energieversorgung innerhalb der Zellen dienen. Liegt jedoch eine Störung der Insulinproduktion vor, sammelt sich die Glukose im Blut und kann nicht abtransportiert werden. Es kommt infolgedessen zu einer Störung des Zuckerstoffwechsels und die Blutzuckerwerte steigen an. Die Insulintherapie wird von den Betroffenen selbst durchgeführt und kann auf unterschiedliche Art und Weise angewandt werden. Die konventionelle Insulintherapie gibt ein festes Schema vor, bei dem sich die zu spritzenden Einheiten an den aktuellen Messungen der Blutzuckerwerte orientieren. Diese Therapie hat den Vorteil, dass sie leicht nachzuvollziehen ist, jedoch lässt der Plan keine starken Veränderungen bezüglich der täglichen Ernährung zu. Im Gegensatz dazu, kann ebenso eine flexiblere, aber auch aufwendigere Therapie eingesetzt werden: die intensivierte Insulintherapie (ICT). Im Rahmen der intensivierten Therapie wird die Dosis von den Patienten selbst berechnet auf Grundlage der aktuellen Blutzuckerwerte, der Tageszeit und der geplanten Mahlzeiten sowie dem Bewegungspensum. Voraussetzung für diese Art der Therapie ist allerdings eine gute Schulung und optimale Mitarbeit der Patienten.

Das Insulin kann von den Patienten entweder manuell via Insulinpen verabreicht werden oder aber über eine automatisierte Insulinpumpe zugeführt werden. Diese wird über ein Infusionsset am Bauch befestigt und macht es möglich, genau zur richtigen Zeit die richtige Menge Insulin an den Körper abzugeben.

Diabetes Schulungen

Und da der Umgang mit der chronischen Zuckerkrankheit für viele neu diagnostizierten Diabetiker noch sehr fremd ist, werden durch Fachärzte und geschultes Personal regelmäßige Schulungen und Neueinstellungen angeboten. Im Rahmen dieser Schulungen werden individuelle Therapiemaßnahmen erstellt, die entweder die orale oder die angepasste Insulintherapie enthalten, können aber auch speziell auf Ernährung und Fitness ausgerichtet sein. Im persönlichen Gespräch wird versucht – so weit möglich – den normalen Alltag in die therapeutischen Maßnahmen einzubinden, um den Patienten so viel Freiheit wie möglich zu bieten. Außerdem wird der Zucker in regelmäßigen Abständen kontrolliert und die individuellen Maßnahmen gegebenenfalls angepasst.

 

Welche Risiken entstehen durch Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist ein Risikofaktor für zahlreiche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Nervenschädigungen, Blindheit und Amputationen. Die Erkrankung gilt oft als Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann damit Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen. Auch Krankheiten der Nieren oder gar Nierenversagen ist eine häufige Folge von Diabetes mellitus. Aufgrund der zahlreichen Komplikationen bei einem schlecht eingestellten Diabetes mit regelmäßigen Stoffwechselentgleisungen zeigen zuckerkranke Personen eine höhere Krankheits- und Sterblichkeitsrate auf als gesunde Menschen.

 

Welche Auswirkungen hat die Diabeteserkrankung auf das Herz?

Diabetes mellitus beeinträchtigt die Funktion des Herzens, schädigt die Blutgefäßwände und kann verantwortlich für Durchblutungsstörungen am Herzen sein. Gefäßschäden, die durch erhöhte Blutzuckerwerte verursacht werden, können wiederum zu gefährlichen Komplikationen wie Ablagerungen und Gerinnsel führen, die sich bei mangelnder Durchblutung im Verlauf dann auch zu einer peripheren Verschlusskrankheit (pAVK) oder sogar zum Herzinfarkt oder Schlaganfall entwickeln können.

Gerade bei Patienten mit einem Diabetes Typ 1 ist das Risiko für direkte Veränderungen in den Gefäßen aufgrund von Überzuckerung erhöht, wohingegen Typ-2-Diabetiker oftmals mit einem erhöhten Blutdruck (Hypertonie) und gestiegenen Blutfettwerten (Hyperlipidämie) zu kämpfen haben, sodass auch hier das Risiko begünstigt wird, an einer Arterienverkalkung zu erkranken oder Gefäßschäden zu erhalten.

Der Bluthochdruck und die Fettstoffwechselstörung wird daher im Rahmen der Diabetes Therapie regelmäßig kontrolliert und mitbehandelt.

 

Diabetes vorbeugen heißt Herzschäden vorbeugen

Die beste Vorbeugung gegen lebensgefährliche Herzschäden und Herzschwäche durch Diabetes ist die frühzeitige Diagnose und Behandlung der Zuckerkrankheit. Nehmen Sie daher angebotene Vorsorge- und Routine-Untersuchungen regelmäßig wahr. Bei Patienten mit Diabetes mellitus werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen, um mögliche Folgeerkrankungen an Organen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Wie bereits erwähnt trägt ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger körperlicher Bewegung primär dazu bei, das Risiko für Herzschäden bei Diabeteserkrankungen deutlich zu senken.

 

 

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