Hypertensive Krise

25. Mai 2022

Was ist eine hypertensive Krise?

Bei einem gesunden Menschen liegt der Blutdruck etwa bei 120/80 mmHg in Ruhe. Wenn dieser aber schlagartig und ohne akute körperliche Belastung auf Werte über 230 mmHg für den systolischen Blutdruck und 130 mmHg für den diastolischen Blutdruck ansteigt, dann bezeichnet man diesen Zustand in der Medizin als eine hypertensive Krise. Dieser rasche Anstieg kann im Zusammenhang mit schweren Symptomen auftreten und durchaus lebensbedrohliche Auswirkungen für die betroffene Person haben. An dieser Stelle unterscheiden wir in der Kardiologie allerdings zwischen der hypertensiven Krise und dem hypertensiven Notfall. Doch was ist der Unterschied zwischen einer hypertensiven Krise und einem Notfall?

Hypertensive Krise

In diesem Stadium ist der Blutdruckwert zwar bedrohlich hoch, es bestehen bei den Patienten jedoch keine Symptome, die eine Organschädigung bedeuten würden. Allerdings kann sich eine hypertensive Krise unbehandelt schnell zu einem hypertensiven Notfall weiterentwickeln. Es ist also dennoch höchste Vorsicht geboten.

Hypertensiver Notfall

Im Gegensatz zur hypertensiven Krise besteht bei einem hypertensiven Notfall direkt eine Lebensgefahr. In dieser Phase sind bereits Organschäden vorhanden, die zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen oder zum plötzlichen Herzstillstand führen können. Organe, die häufig davon betroffen sind, sind zum Beispiel das Herz, das Hirn, die Nieren oder die Augen.

 

Welche Symptome treten bei einer hypertensiven Krise auf?

Nicht immer treten bei der Diagnose hypertone Krise auch eindeutige Symptome auf. Gerade für Patienten, die bereits mit Bluthochdruck zu kämpfen haben und eine medikamentöse Therapie erhalten, sind die Beschwerden oftmals nicht ausreichend alarmierend. Neben einem stark erhöhten Blutdruck können in diesem Stadium folgende typische Symptome auftreten:

    • starke Kopfschmerzen oder Druckgefühl im Kopf
    • geröteter Kopf
    • Übelkeit & Erbrechen
    • Nasenbluten
    • Zittern & Schwindelgefühl

Bei einem hypertensiven Notfall sind die Symptome jedoch spezifischer und werden von den Betroffenen auch direkt als bedrohlich wahrgenommen. Zum Beispiel können folgende Anzeichen innerhalb kurzer Zeit auffallen und auf einen hypertonen Notfall hindeuten:

    • Brustschmerzen bzw. Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris)
    • Atembeschwerden bis hin zur Atemnot
    • Lähmungserscheinungen / Taubheitsgefühle
    • Sehstörungen

 

Warnzeichen: Lässt sich eine Hypertensive Krise also rechtzeitig erkennen?

Als Patient achten Sie selbst am besten auf Ihr Herz. Sollten Sie bereits mit eine Hypertonie zu kämpfen haben, achten Sie darauf, dass Sie Ihre Werte auch regelmäßig kontrollieren. Auf diese Art und Weise haben Sie den besten Überblick über Ihre Blutdruckwerte und können bei Anomalien schnell reagieren. Wenn Ihr Blutdruck dann plötzlich ansteigt und sich auch nicht umgehend wieder beruhigt, sollten Sie auf jeden Fall alarmiert sein und einen Arzt aufsuchen. Auch wenn Sie aktuell noch keine Beschwerden verspüren, so kann sich dieser Zustand schnell ändern. Zögern Sie also nicht, einen Arzt zu verständigen, sodass Ihr Blutdruck rasch und kontrolliert gesenkt werden kann, bevor sich weitere Beschwerden bilden.

 

Welche Ursachen gibt es für eine hypertensive Krise?

Die Ursachen einer hypertensiven Entgleisung können vielfältig sein. Häufig tritt diese allerdings im Zusammenhang mit einer bestehenden arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) auf. Oftmals ist das Absetzen, bzw. die fehlende Einnahme von Medikamenten zur Blutdrucksenkung dann der Auslöser für einen raschen Anstieg des Blutdrucks.

Bei Personen, denen jedoch noch keine Hypertonie diagnostiziert wurde und sich die Blutdruckwerte größtenteils im Normbereich befinden, wird eine solche Krise häufig durch Erkrankungen im Körper ausgelöst. Das können beispielsweise eine Nieren- oder Nebennierenerkrankung sein oder bestimmte Krankheiten von hormonbildenden Organen. Damit werden große Mengen blutdruckwirksame Botenstoffe freigesetzt, die dann zu einer Blutdruckkrise führen können.

Sowohl bei Vorerkrankten als auch bei Personen ohne Bluthochdruck kann der schnelle Anstieg des Blutdrucks durch die Angstsymptome noch verstärkt werden. Außerdem führen starke Schmerzen oft zu einem unkontrollierten Blutdruckanstieg.

Unbehandelt kann durch den stark erhöhten Blutdruck der bereits beschriebene hypertensive Notfall eintreten. Dann besteht das Risiko, dass innerhalb kürzester Zeit sogar lebensbedrohliche Schäden am Herz-Kreislauf-System und an lebenswichtigen Organen auftreten.

 

Wie lange dauert eine hypertensive Krise an?

Die Voraussetzung für eine hypertensive Krise sind natürlich deutlich besser als bei einem hypertensiven Notfall. Demnach ist auch die Prognose einer vollständigen Heilung auf den Verlauf ausgerichtet. Denn umso weiter fortgeschritten die Krise ist, desto größer können die Schäden sein. Generell sollte der Blutdruck in einer hypertensiven Phase schnellstmöglich innerhalb von 30 – 60 Minuten ärztlich behandelt werden, um irreversible Organschäden zu vermeiden. Spätestens jedoch nach 24 Stunden sollte eine kontrollierte Behandlung der Symptome erfolgen, bevor gefährliche Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall durch die ausgeprägte und akute Hypertonie verursacht werden.

 

Welche Behandlung, bzw. Therapie wird für eine hypertensive Krise angesetzt?

Um den plötzlichen Blutdruckanstieg schnell aber kontrolliert zu senken, werden meist orale Blutdrucksenker (Hypertensiva) wie zum Beispiel Betablocker oder AT1-Rezeptorantagonisten durch den Arzt verabreicht, können aber auch in Form von Flüssigkeit oder als Infusion intravenös gegeben werden. Dabei sollte der Verlauf der Werte engmaschig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass das verabreichte Medikament anschlägt und der Blutdruck auch tatsächlich fällt. Das Ziel ist es, den Blutdruck innerhalb von maximal 24 Stunden so weit zu senken, dass er sich in einem unkritischen Bereich befindet. Die Behandlung einer Krise kann in einem ambulanten Rahmen erfolgen.

 

Welche Behandlung, bzw. Therapie wird für einen hypertensiven Notfall angesetzt?

Bei einem hypertonen Notfall mit Organschädigung muss die Behandlung unbedingt stationär erfolgen, da eine dauerhafte Überwachung des Blutdrucks und der Organe notwendig ist. Demnach wird in diesem Fall der Notarzt hinzugezogen und die Anbehandlung beginnt entweder bereits in der Arztpraxis oder während des Transports in das nächste Krankenhaus.

An dieser Stelle richtet sich die antihypertensive Therapie nach dem Beschwerdebild des Patienten. Wichtig ist hierbei, dass der Blutdruck nur langsam und kontrolliert gesenkt werden darf, da eine Organschädigung bei zu schneller Reduzierung noch unterstützt werden kann und das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich zum Ziel gesetzt wurde – nämlich eine umfangreiche und effektive Schadenbegrenzung an den betroffenen Organen. Als Richtwert hierfür gilt das Herabsetzen um 25% des Ausgangswertes in den ersten Stunden. Anschließend sollte ein Zielwert von weniger als 160/100 mmHg nach circa sechs Stunden erreicht werden. Eine sofortige und rasche Senkung wird lediglich bei Organschäden wie beispielsweise einem Lungenödem und einer Aortendissektion (Riss in der Hauptschlagader) empfohlen.

Als Therapieformen können je nach Symptomen Nitroglycerin als Spray oder intravenös bei Lungenödemen, instabiler Angina pectoris oder Myokardinfarkt eingesetzt werden. Als weitere Therapie kann auch Nifedipin und eine zusätzliche Gabe von Furosemid eingeleitet werden. Im Hinblick auf die Art des hypertensiven Notfalls, bzw. der Organschädigung und die Besonderheiten der einzelnen Patienten muss die therapeutische Versorgung jedoch immer individuell und unter Berücksichtigung entsprechender Kontraindikationen angepasst werden.

 

Wie erkennt der Arzt eine hypertensive Krise?

Die Untersuchung findet entweder ambulant in der Arztpraxis oder stationär im Krankenhaus statt. Zunächst wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt mit Aufnahme der entsprechenden Symptome. Außerdem wird der aktuelle Blutdruck des Patienten überprüft. Meist lässt sich dann ein stark erhöhter Wert bestätigen. Neben diesen grundlegenden Untersuchungen werden auch bildgebende Untersuchungsverfahren wie das Elektrokardiogramm (EKG) oder der Herzultraschall, bzw. Nierenultraschall durchgeführt, um körperliche oder koronare Schäden zu identifizieren. Je nach physischem Zustand und bekannten Vorerkrankungen können an dieser Stelle auch Untersuchungen des Blutes notwendig werden.

Bei einer hypertensiven Krise ist der Blutdruck zwar stark erhöht, es ergeben sich allerdings keine Auffälligkeiten im Rahmen der weiteren Untersuchungsergebnisse. Anders ist es bei dem hypertensiven Notfall. Hier werden häufiger blutdruckbedingte Organschäden durch bildgebende Untersuchungen aufgedeckt. Betroffen sind dann vor allem die Gefäße von Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Dauerhaft kann diese Schädigung zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen und muss daher unbedingt behandelt werden.

 

Wie können Sie selbst einem schnellen Blutdruckanstieg entgegenwirken?

Im Falle einer bestehenden medizinischen Therapie ist es in erster Linie wichtig, dass Sie Ihre Medikamente zur Blutdruckregulierung sorgfältig einnehmen und dabei die Werte regelmäßig kontrollieren. So können Sie schnell reagieren, wenn Sie bemerken, dass sich die Werte zunehmend erhöhen.

Starke Schmerzen können den Blutdruck anheben. Daher sollten starke Beschwerden und insbesondere chronische Verlaufsformen durch Analgetika (Schmerzmittel) reguliert werden. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Sie bei einem Blutdruckanstieg nicht in Panik geraten, versuchen Sie sich zu beruhigen, um einem weiteren Anstieg entgegenzuwirken.

In manchen Fällen, vor allem wenn der Blutdruck häufiger erhöht ist, kann es sinnvoll sein, eine Bedarfsmedikation zu verschreiben. Bei bekannten Blutdruckproblemen vereinbaren Sie einen Termin in meiner Sprechstunde. Gemeinsam können wir Ihr Herz-Kreislauf-Risiko einschätzen und entsprechende Maßnahmen treffen.

 

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