Extremsport und die Auswirkung auf das Herz

6. Juli 2022

Exzessives Training: Gefahr für das Herz?

Prinzipiell rate ich immer zu ausreichend Sport und Bewegung. Denn regelmäßiger Sport sorgt für einen gesunden Körper. Fehlende Bewegung kann dagegen zu fatalen Folgen führen. In unserem Blogbeitrag zum Thema Bewegungsmangel lesen Sie, wie unsere Herzgesundheit unter zu wenig körperlicher Betätigung leidet.
Während der Bewegung bauen wir in unserem Blutkreislauf überschüssiges Cholesterin und Blutzucker ab. Damit erreichen wir nicht nur einen positiven äußerlichen Effekt, sondern können durch ausreichend sportliche Tätigkeiten auch vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen effektiv vorbeugen.
Allerdings kann sich der positive Effekt bei kontinuierlicher Überbelastung auch in das Gegenteil umwandeln. Übermäßiger Ausdauer- und Extremsport kann also dem Herzen und der allgemeinen Gesundheit schaden.

 

Doch was ist Extremsport und ab wann spricht man davon?

Die Möglichkeiten Sport zu treiben sind äußerst vielfältig. Oft entwickeln sich aus den „normalen“ Sportarten dann die verschiedenen „Extreme“. Generell wird Extremsport als ein Sport bezeichnet, der mit dem Ziel einer sehr hohen und intensiven Ausdauerleistung zusammenhängt. Nicht immer, ist der Extremsport auch eine Risikosportart. Hier gilt es zu unterscheiden: Beim Risikosport setzen sich die Betroffenen meist bewusst erheblichen Gefahren aus, wobei kurze Fehler schnell zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen führen können. Demnach zählen Freiklettern oder Base-Jumping zum sogenannten Risikosport. Extremsportler hingegen nehmen keine Gefahren wahr. Denn dabei werden Sportarten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren unter extremen Bedingungen mit hoher physischer Beanspruchung ausgeführt, wie zum Beispiel der Triathlon oder (Ultra-) Marathonlauf oder das Distanzschwimmen. Dabei spielt die Suche nach dem sogenannten „Kick“, also einem intensiven Reiz, oftmals eine große Rolle und stellt das Motiv für die Ausübung einer Extremsportart an der Belastungsgrenze dar.

 

Ein schmaler Grat: Wann wird Sport zu extremem Sport?

Für die Sportler selbst ist der Übergang vom normalen Training zum extremen Sport oft fließend und wird durch das Motiv angetrieben, die persönlichen oder bestehenden Leistungen anderer deutlich zu übertreffen. In der Medizin empfehlen wir nach der WHO eine physische Belastung von mindestens 150 Minuten pro Woche bei mäßiger Intensität, um einen gesundheitlichen Nutzen für Ihren Körper zu erzielen. Wann der normale Sport zum Extremsport wird, ist allerdings nicht eindeutig zu definieren. Jedoch kann ab einer täglichen und hochintensiven sportlichen Aktivität über 60 Minuten von einer extremen Ausübung gesprochen werden. Eine deutliche Steigerung über die genannte Grenze hinaus kann auf Dauer zu kardialen Schädigungen führen.

 

Herzveränderungen durch Extremsport

Ausdauersport beugt vielen Krankheiten, wie zum Beispiel koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Fettleibigkeit vor. Jedoch gilt wie so oft: Bitte alles in Maßen! Kontinuierliches und sehr intensives Ausdauertraining kann durchaus eine krankhafte Veränderung am Herzen und an den Arterien verursachen.

Ein großes Herz für Sport

Generell ist bei vielen Sporttreibenden das sogenannte „Sportlerherz“ zu beobachten. Damit sind Veränderungen am Herzen gemeint, die häufig bei Personen auftauchen, welche anstrengendes körperliches Training wie Laufen oder Fahrradfahren über einen längeren Zeitraum betreiben. Denn bei verstärkter körperlicher Aktivität entsteht ein erhöhter Sauerstoffbedarf und das bedeutet wiederum Mehrarbeit für unser Herz. Damit unser Herz auf Dauer diese Mehrarbeit leisten kann, findet ein gewisser „Umbau“ am Herzen statt.
Dabei zeigen das trainierte Herz und die Herzkammern eine Vergrößerung und die Herzwände eine Verdickung auf. Aufgrund dieser Veränderungen pumpt das Organ mit jedem Herzschlag wesentlich mehr Blut durch die Laufbahnen, was wiederum zu einem langsameren und stärkeren Puls führt, der teilweise in Ruhe auch unregelmäßig sein kann. Diese Symptome sind bei einem gesunden Sportlerherz allerdings vollkommen unbedenklich.

Exzessiver Sport ist also häufig die Ursache für eine strukturelle Veränderung am Herzmuskel. Diese Umformung ähneln oftmals den krankhaften Symptomen von bestimmten Herzkrankheiten, wie beispielsweise einer Kardiomyopathie oder Herzinsuffizienz, welche ebenfalls mit einem vergrößerten Organ einhergehen. Jedoch ist das gesunde Sportlerherz voll funktionsfähig und kann sich sogar wieder zurückbilden, sobald der Sportler sein ausdauerndes Training beendet oder eine Pause einlegt.
Gefährlich wird es allerdings dann, wenn das Training zu exzessiv ausgeführt wird und das Herz-Kreislauf-System damit dauerhaft zu stark belastet wird. Eine schnelle Vergrößerung und Verstärkung am Herzen, kann zu Wunden und Narben am Herzmuskel führen. Daraus können sich zahlreiche Herzerkrankungen bilden, wie zum Beispiel eine Rhythmusstörung.

Weniger ist manchmal mehr

Besonders betroffen durch die hohe Belastung ist der rechte Herzmuskel und die rechte Herzkammer, wo sich das verbrauchte Blut erst einmal sammelt und anschließend in den Lungenkreislauf gepumpt wird. Bei langen Ausdauereinheiten muss der rechte Ventrikel besonders schwer arbeiten und es kann zu einer Vergrößerung kommen. Diese Veränderung machen das Organ anfälliger für Herzrhythmusstörungen.

Hauptsächlich findet diese Funktionsstörung während der körperlichen Aktivität statt. Im Verlauf normalisiert sich die Funktion jedoch größtenteils wieder. Allerdings können bei manchen Sporttreibenden nachweislich auch hier kleine Narben im Herzgewebe zurückbleiben. Entstehen diese an der falschen Stelle, kann dadurch das Reiz-Leitungs-System gestört und im schlimmsten Fall sogar Vorhofflimmern oder ein Herzinfarkt begünstigt werden.

 

Wie merken Sie als Sportler, dass Sie kürzer treten sollten?

Anzeichen für eine zu hohe Trainingsaktivität können zum Beispiel Schlafstörungen sein. Außerdem reagiert der Körper mit einem abgeschwächten Immunsystem und damit einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte sowie allgemeinem Unwohlsein. Auch in der Herzfrequenz können Sie erkennen, ob Sie besser eine Pause einlegen sollten. Der Ruhepuls, der bei Sporttreibenden oft deutlich niedriger ausfällt, kann sich bei Überbelastung stark erhöhen. Sollten Sie genannte Anzeichen wahrnehmen, vereinbaren Sie einen Termin zum kardiologischen Check, um Ihr Training sicher und gesund fortzuführen.

 

Für Ihre Gesundheit: Denken Sie an regelmäßige Pausen und Regeneration

Bemerken Sie eine Leistungsminderung sollten Sie darauf keinesfalls mit noch stärkerem Training reagieren. Gönnen Sie sich dann unbedingt regelmäßige Regenerationsphasen, in denen sich das Herz ausreichend erholen kann. Wichtig ist es, dass Sie sich bewusst sind, dass sich Ihr Körper nicht sofort auf Ihre hohen Ambitionen einstellen kann. Starten Sie deshalb langsam und steigern Sie sich kontinuierlich. Bei Anfängern empfehle ich eine Pause von mindestens 36 Stunden zwischen den Ausdauer-Einheiten. Trainieren Sie bereits über einen längeren Zeitraum, kommen Sie gerne zu mir in die Sprechstunde, um Ihren persönlichen Gesundheitszustand zu ermitteln.

 

Sportcheck für Extremsportler

Die Voraussetzung für das Ausüben von extremem Ausdauersport ist, dass das Herz des Sportlers vollkommen gesund ist. Damit das Training ohne Bedenken absolviert werden kann, sollten keine aktuellen und akuten Beschwerden wie Stenosen (Verengungen) in den Gefäßen oder Blutdruckprobleme vorliegen. Mit Hilfe einer speziellen physischen Untersuchung kann die persönliche Leistungsfähigkeit und Fitness beurteilt werden. Außerdem sollte eine sportmedizinische Untersuchung immer die Grundlage für ein individualisiertes Trainingsprogramm sein.
Bevor Sie sich also dazu entscheiden, in den Extremsport einzutauchen, lassen Sie unbedingt einen kardiologischen Sport-Check-Up durchführen. Ich beschäftige mich schon lange im Bereich der kardiologischen Sportmedizin mit den medizinischen Auswirkungen von Leistungssport auf das Herz-Kreislauf-System. Mit modernster Diagnostik bestimme ich gerne Ihr individuelles Herz-Risiko und führe in bestimmten Abständen eine Kontrolle Ihrer Herzgesundheit durch.
Als Teilnehmer an Sport- und Wettkämpfen stelle ich Ihnen auch gerne im Rahmen eines unauffälligen kardiologischen Sport-Check-Ups eine notwendige Tauglichkeitsbescheinigung über die Fähigkeit der Teilnahme bei bereits bestehenden Erkrankungen am Herzen aus.

 

Fazit: Kein falscher Ehrgeiz in Sachen Gesundheit

Die eigenen Leistungen immer und immer wieder zu übertreffen, mag für viele Sporttreibende einen gewissen Reiz haben. Jedoch sollten Sie vorsichtig sein: Mit übertriebenem Ehrgeiz gefährden Sie Ihre Gesundheit.
Lassen Sie deshalb in kontinuierlichen Abständen eine Kontrolluntersuchung durchführen. Vor allem wenn Sie mit dem Sport beginnen oder nach langer Pause wieder einsteigen, sollte das Trainingspensum angepasst und langsam gesteigert werden.

 

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