Schmerzen im Brustbereich wecken häufig den Gedanken an einen Herzinfarkt und machen vielen Patienten Angst. Doch die Symptome können auch andere Ursachen haben. Mit diesem Beitrag wollen wir Sie aufklären, welche Beschwerden hinter Brustschmerzen stecken können.

Das Herz als Auslöser

Drückende Schmerzen beziehungsweise ein Engegefühl hinter dem Brustbein, im Bereich der linken Thoraxhälfte, möglicherweise mit Ausstrahlung in den linken Arm oder den Unterkiefer, weisen auf eine akute Herzerkrankung und einen Notfall hin. Nehmen die Schmerzen unter Belastung zu, kann auch hier das Herz verantwortlich dafür sein. Belastungssituationen können zu Durchblutungsstörung in den Herzkranzgefäßen (Angina Pectoris) führen. Nicht immer jedoch sind typische Symptome vorhanden.

Stechende Schmerzen in der Brust können auch auf Herzprobleme wie eine Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung hinweisen. Gerade bei Frauen oder Patienten mit Diabetes mellitus können charakteristische Symptome jedoch fehlen. Es kann sich z.B. eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Luftnot als Brustschmerzäquivalent entwickeln. Diese Symptome sollten dringend ärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen oder gegebenenfalls behandeln zu können.
Herzklappenerkrankungen, hohe Blutdruckwert oder angeborene Herzmuskelerkrankungen kommen zusätzlich als Ursache für Brustschmerzen am Herzen in Betracht. Verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen können ebenfalls subjektiv als Schmerzen im Brustbereich wahrgenommen werden.

Besondere Vorsicht in Kombination mit Infekten

Wenn Sie sich nach einem grippalen Infekt weniger leistungsfähig fühlen, die Luft bei leichter Belastung knapper ist, der Puls schneller ansteigt und stechende Brustschmerzen auftreten, kann es sich um eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung handeln. Nicht alle der genannten Symptome müssen dafür vorhanden sein, manchmal tritt auch nur ein einzelnes Symptom auf. Selten kann es dabei zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen, einer Verschlechterung der Herzleistung oder einer Perikardtamponade (starke Beeinträchtigung der Herztätigkeit durch Sammlung von Entzündungsflüssigkeit im Herzbeutel) kommen. Daher ist eine frühzeitige kardiologische Abklärung sinnvoll. Dann heilt eine solche Herzmuskelentzündung meist vollständig aus.

Benachbarte Organe und Strukturen

Lunge, Speiseröhre, Hauptschlagader, Abdomen oder Rücken/Rippen: Erkrankungen und Störungen der Organe und Strukturen, die sich in der Nähe des Herzens befinden, können sich ebenfalls über Brustschmerzen bemerkbar machen.
Stechende Schmerzen werden meist durch den Brustkorb selbst bzw. den Rücken verursacht. Durch Druck auf die entsprechend schmerzhafte Stelle verstärken sich die Beschwerden, beispielsweise bei einem Rippenbruch/einer Rippenprellung.

Muskelverspannungen, Nervenirritationen oder funktionelle Thoraxbeschwerden (Da Costa-Syndrom) sowie das Tietze-Syndrom (schmerzhafte Schwellung an der Knochen-Knorpelgrenze der oberen Rippen) äußern sich ebenfalls häufig durch stechende Brustschmerzen.
Bei stärkstem Vernichtungsschmerz in Brust oder Bauchraum kann es sich um eine Aortendissektion (Einriss der Gefäßwand der Hauptschlagader) handeln. In solchen Fällen muss schnell gehandelt werden. Weiterhin können Erkrankungen der Lunge und des Lungenfells mit unterschiedlichen Schmerzen und häufig atemabhängigen Beschwerden einhergehen. Eine Lungenembolie kann sich durch Luftnot, Schmerzen beim Atmen und blutigen Auswurf ankündigen.
Bei Störungen an der Speiseröhre wie Sodbrennen (durch Reflux der Magensäure in die Speiseröhre) kann es zu brennenden aufsteigenden Schmerzen hinter dem Brustbein kommen.
Psychische Ursachen bzw. Stress können sich ebenfalls durch Brustschmerzen äußern, indem es beispielsweise durch Muskelverspannungen zu Nervenirritationen kommt. Auch Rheuma und verwandte Erkrankungen können eine Herzbeteiligung aufweisen.

Darum ist Vorsorge so wichtig

Beim Auftreten von Brustschmerzen bzw. zu Vorsorgeuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr (bei Risikofaktoren wie Herzinfarkt eines engen Familienangehörigen schon früher) empfiehlt sich eine gründliche kardiologische Untersuchung, um mögliche Ursachen für den Brustschmerz rechtzeitig erkennen und therapieren zu können.

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