Bekanntermaßen wächst das Risiko für Herzinfarkt und weitere Herz-Kreislauf-Ereignisse mit zunehmender Höhe des Blutdrucks. Bisher war nicht bekannt, wie niedrig der Blutdruckwert ist, ab dem diese Risikozunahme startet. Gemäß einer aktuellen amerikanischen Studie scheint die Schwelle bei etwa 90 mmHg systolisch zu liegen. Doch welcher Blutdruck ist dann normal?Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg werden aktuell als „normal“ bzw. „hochnormal“, Werte unter 120/80 mmHg als „optimal“ angesehen. Doch selbst in diesem Blutdruckbereich besteht schon ein direkter Zusammenhang zwischen Blutdruckhöhe und arteriosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er beginnt gemäß dieser Datenlage bereits bei niedrigen systolischen Werten ab 90 mmHg.

Risikozunahme beginnt schon unterhalb der Bluthochdruck-Schwelle

Das vom Blutdruck ausgehende Risiko steigt demnach bereits wesentlich unterhalb der für die Hypertonie geltenden Grenzwerte an. Die Schlussfolgerung der Forscher aus dieser Erkenntnis:
Für präventive Lebensstil-Maßnahmen sowie gezielte präventive Untersuchungen zur Vorbeugung eines Blutanstiegs ist es nie zu früh. Um die Frage der Zielwerte für eine medikamentöse blutdrucksenkende Therapie ging es in dieser Studie nicht.

Ihr Ziel war einzig und allein, bei völlig gesund erscheinenden Menschen ohne Hypertonie oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren einen möglichen Zusammenhang zwischen Blutdruckhöhe und dem Risiko für subklinische Arteriosklerose, also symptomlose Verkalkungen oder Plaques, sowie für arteriosklerotischen Gefäßerkrankung aufzuspüren.

Studie mit über 1.400 Teilnehmern

Grundlage der epidemiologischen MESA-Studie bildeten die Daten von 1.457 Teilnehmern (mittleres Alter/58 Jahre, 61,4 % Frauen). Zu Beginn zeigte keiner von ihnen eine arteriosklerotisch bedingte Herz-Kreislauferkrankung oder Risikofaktoren wie erhöhtes Cholesterin, Diabetes oder Rauchen. Die Blutdruckwerte lagen im Normalbereich zwischen 90 mmHg und 129 mmHg.

Bei rund einem Drittel aller Teilnehmer ergab eine zu Beginn vorgenommene Koronarkalk-Messung einen positiven Befund. Schon dabei zeigte sich eine Korrelation mit der Blutdruckhöhe: So lag der Anteil an Patienten mit Koronarkalk-Nachweis in der Untergruppe mit den niedrigsten systolischen Blutdruckwerten (90 – 99 mmHg) bei 19,7 %, während er in der Gruppe mit den relativ höchsten Werten (120 – 129 mmHg) mit  40,8 % doppelt so hoch war. Hier fanden sich bereits erste Anzeichen für einen schrittweisen Anstieg des Herz-Kreislauf-Risikos. Im Nachbeobachtungszeitraum der Untersuchung von über 14 Jahren kam es bei den Teilnehmern zu insgesamt 94 Herz-Kreislauf-Ereignissen.

Obwohl die Ereignisrate relativ niedrig war, offenbarte die Analyse eine Abhängigkeit des Herz-Kreislauf-Risikos von der Blutdruckhöhe: Mit jeder Zunahme des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg erhöhte sich das relative Risiko um 53 %. Im Vergleich zu Personen mit den niedrigsten systolischen Blutdruckwerten zwischen 90 – 99 mmHg stieg das Herzkreislauf-Risiko bei Werten von 100 – 109 mmHg bereits um den Faktor 3,0 und bei Werten von 120 – 129 mmHg um den Faktor 4,58 an. Gemäß dieser Ergebnisse können bereits Blutdruckwerte im Normalbereich mit der Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen einhergehen.

Das bedeutet die Studie für Sie als Patient

Welche Schlüsse können wir aus der aktuellen Studie ziehen? Gewiss nicht die Empfehlung, den systolischen Zielwert für die medikamentöse Blutdrucksenkung auf 90 mmHg zu senken. Denn für die Beurteilung der Nutzen-Risiko-Bilanz einer entsprechend aggressiven Behandlungsstrategie geben die neuen Studienergebnisse nichts her.

Nach Ansicht der Studienautoren stützen sie aber die Bedeutung einer konsequenten Primärprävention durch eine gesunde Lebensweise. Dadurch soll – neben anderen relevanten Risikofaktoren – auch dem mit zunehmendem Alter häufig beobachteten Anstieg des systolischen Blutdrucks vorgebeugt werden. Zudem empfehlen sich regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – und das nicht nur bei bereits erkrankten Personen, sondern auch bei augenscheinlich gesunden. So können Patienten der Entwicklung arteriosklerotischer Erkrankungen am Herzen und den Gefäßen vorbeugen.

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